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Heimvorteil

von Ute Lühr
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Familienurlaub. Den muss Hendrik Soetbeer mittlerweile für sechs Personen planen. Und einen Hund. Wie gut, dass der 36-Jährige sich zumindest über Transport und Unterkunft keine Gedanken machen muss, sitzt er diesbezüglich doch direkt an der Quelle: Im Lüneburger Industriegebiet Hafen hat der ehemalige Nutzfahrzeugverkäufer eine eigene kleine Firma und bietet dort individuelle VW-Nutzfahrzeuge, aber auch Offroad und Freizeitzubehör – egal für welche Marke.
„Outdoor und Camping – das ist ein echtes Faible von mir“, sagt der junge Unternehmer, der schon lange im Geschäft ist: Jahrelang hat er für eines der größten und ältesten Hamburger VW-Autohäuser Fahrzeuge vertrieben, sich bereits dort auf dieses Gebiet spezialisiert. „Im Mittelpunkt stand die Umrüstung von Fahrzeugen aus den Bereichen der Jagd-, Land- und Forstwirtschaft“, erzählt er, „sowie des Reise- und Freizeitbereichs.“ Der Markt ist umfangreich und reizvoll, denn individuelle Bedürfnisse erfordern individuelles Zubehör – und das ist auch heute Hendrik Soetbeers Geschäft. Nachdem sein Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste, wurde er von dessen Nachfolger zwar übernommen, aber nicht wirklich zufriedengestellt. Er zog die Konsequenzen, nutzte seinen guten Namen in der Branche und machte sich selbstständig. „Mein Glück war es, dass ich schon immer gut vernetzt bin“, erklärt der Lüneburger, „und mit Volkswagen somit jetzt einen großen Kooperationspartner im Hintergrund habe.“

Kundenwünsche

Als Aufbauhersteller bei VW-Nutzfahrzeuge kann er Neuwagen frei konfiguriert nach Kundenwunsch direkt im Werk der Volkswagen Nutzfahrzeuge AG bestellen, sie anschließend entsprechend der Kundenwünsche aufbauen.

Innenleben: Schlafplatz, Kochstelle, Stauraum – alles da! Der 36-Jährige bietet in Sachen Umrüstung maßgeschneiderte Konzepte an. Für die Jagd-, Land- und Forstwirtschaft aber auch für Offroad-Abenteuer. Foto: nh/tonwert21.de

Das ist aber nur ein Bereich seiner Arbeit. „Viele meiner Kunden besitzen bereits einen Pick-up, Bulli oder aber Transporter und wollen diesen gemäß ihren Anforderungen umrüsten.“ Ein Amarok mit Waffenfach, Seilwinde und Zusatzbeleuchtung für den Jäger sei dabei ebenso unproblematisch zu realisieren wie ein Crafter als modifiziertes Arbeitsauto mit Höherlegung und All-Terrain-Reifen für den Einsatz in der Stadt oder im Gelände. „Und dann gibt es auch noch die vielen Wünsche, die der Freizeitbereich mit sich bringt.“ Und auch da kennt sich der 36-Jährige mittlerweile bestens aus. 

Offroad-Fans unter sich

Vor drei Jahren hat er das gemacht, wovon viele Abenteurer träumen: mit dem eigenen Pick-up die Alpen überquert. „Gemeinsam mit meinem guten Freund und heutigem Geschäftspartner, habe ich mich einer Reisegruppe von rund 20 weiteren Offroad-Fans angeschlossen und innerhalb von zwei Wochen den Grenzbereich zwischen Frankreich und Italien befahren.“ Größtenteils abseits der asphaltierten Straßen führte die Tour über alte Militärverbindungen, über kurvenreiche Pässe, vorbei an einzigartigen Felsformationen, tiefen Schluchten und grandiosen Panoramen. Geschlafen wurde jede zweite Nacht in den Bergen. Da konnte sich auch die Ausrüstung beweisen. „Das war ein großartiges Erlebnis“, sagt Hendrik Soetbeer rückblickend, „zum einen befindet man sich in einer Gemeinschaft mit Menschen verschiedenster Herkunft, Ideologie und Ausbildung, hat aber aufgrund seines Faibles sofort ein Thema und dadurch auch dieses Gefühl des Teamgeistes, zum anderen genießt man aber auch dieses unfassbare Gefühl der Freiheit und Entspannung.“ 

Alles aus einer Hand

Und das könne ihm kaum eine andere Form der Reise so bieten. Deshalb weiß er auch ganz genau, was jene Kunden benötigen, die sich mit ihren Wünschen nach Abenteuer an ihn wenden – und die Bandbreite ist enorm: „Da gibt es solche, die ihren Caddy als Mischung zwischen Alltag und Reise nutzen wollen und dafür eine geeignete Innenausstattung suchen“, sagt er, „aber auch andere, die mit ihren Fahrzeugen längere Zeit unabhängig im Gelände unterwegs sein möchten und dafür die passende Ausrüstung brauchen.“ Und die kann die kleine Firma, die seit Sommer 2019 besteht, in der Regel auch bieten: Ob es die verschiedensten Dachzelt- und Dachträgersysteme sind, sich um Unterfahrschutze und Seilwinden handelt, spezielle Fahrwerke und Bereifung gesucht werden oder Anforderungen an Beleuchtung, Camp-Zubehör, Fahrzeugfolierung und sogar Solarsysteme gestellt werden – ein gutes Gesamtkonzept für den Kunden und alles aus einer Hand. Die Zulieferer kommen aus der ganzen Welt, haben für fast jeden Hersteller entsprechendes Detail: „Bezüglich der Fahrzeugmarken sind wir spezialisiert auf VW und Mercedes, aber auch bei anderen Marken legen wir gern Hand an“, erklärt er.

Am liebsten in die Berge

Foto: nh/tonwert21.de

Einen Überblick über das Sortiment gibt der Showroom, den Hendrik Soetbeer im Industriegebiet eingerichtet hat. Auf dem Freigelände gegenüber stehen fertig umgebaute und sofort verfügbare Fahrzeuge zum Verkauf. Die Werkstatt liegt gleich nebenan. Er selbst fährt einen umgebauten Amarok, wenn er mit der Familie unterwegs ist einen Bulli – denn das tut Not: „Wir als Patchworkfamilie haben mittlerweile vier Kinder und einen Hund, da braucht man einfach viel Platz, wenn man in den Urlaub will.“
Deshalb hat er sich sein eigenes Fahrzeug auch entsprechend umgerüstet: Ein langer Radstand, dazu drei Sitzplätze vorne und drei hinten, eine kleine Möglichkeit zum Kochen und Schlafen – der Wagen bietet viel Raum und Möglichkeiten für die abenteuerlichsten Ziele. „Am liebsten fahren aber auch wir in die Berge“, erklärt Hendrik Soetbeer, „nach Österreich oder auch mal Slowenien.“ Im vergangenen Jahr fiel der Urlaub zwar Corona zum Opfer, dennoch aber nicht ins Wasser: Ausgerüstet mit einem Pass für das sogenannte „Landvergnügen“ hat die Großfamilie regelmäßig Ausflüge innerhalb Deutschlands gemacht, konnte mit ihrem Bus auf den unterschiedlichsten idyllischsten Stellplätzen naturnah in ländlicher Gegend stehen. „Und auch das ist eine herrliche Art von Familienurlaub.“

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