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Reisen kann stressig sein

von Hans-Martin Koch
Erschienen: Zuletzt aktualisiert:

Das härteste Jahr und zugleich das schönste war 2019. Miss Allie absolvierte einen Konzert-Marathon: Zu 136 Auftritten quer durch die Republik reiste die in Lüneburg lebende Singer-Songwriterin, davon spielte sie 120 Konzerte an 120 Orten. Die anderen Konzerte waren im TV und bei Wettbewerben. Gleich vier Preise gab es 2019: beim First Ladies Kabarettistinnenpreis den Publikumspreis für Newcomerinnen, beim Hessischen Kabarettpreis den Publikumspreis, sodann den 1. Platz „Goldene Limette“ beim NDR Comedy Contest und die Tuttlinger Krähe, einen renommierten Kleinkunstpreis. Immer unterwegs, das ist Fluch und Segen. „2019 war krass“, sagt Miss Allie und hat für 2020 und 2021 ihr Programm gedrosselt bzw. sie hätte es, denn das hat ja nun Corona für sie erledigt. 

Sie touren mittlerweile durch die ganze Republik. In diesem Jahr stehen auch Österreich und die Schweiz im Plan, wie kommt es als Musikerin aus Norddeutschland dazu? 
Vor allem durch Auftritte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das ist ja auch dort zu empfangen. Die Übersicht über Klicks und Kommentare bei den sozialen Medien zeigt auch, dass es dort eine Fan-Base gibt. Außerdem lernt man auf dem Weg Leute kennen, die kennen Leute, die kennen auch welche und dann ergibt sich daraus mal etwas.

Touren Sie eigentlich mit Zug oder Auto? 
Lange war ich allein mit dem Zug unterwegs, das ist das entspanntere Reisen. Da ich aber mittlerweile größere Konzerte gebe und mehr Equipment brauche, habe ich mir doch ein Auto gekauft.

Spüren Sie Reisestress? 
Manchmal schon, es gibt immer mal Mördertrips. Wenn man nach fünf Auftrittstagen eine Pause bräuchte, aber unter Zeitdruck mit dem Auto von Köln nach Rostock muss, kann das schon räudig sein. Oder für einen Abend nach Tuttlingen, acht Stunden Zugfahrt pro Strecke, das ist schon anstrengend – hat sich aber gelohnt, es gab einen Preis.

Wenn Sie am Konzertort ankommen, wie läuft das ab? 
Erstmal kurz ins Hotel, sich frisch machen. Dann zum Soundcheck, den plane ich immer zwei Stunden vor Einlass. Das kann in zehn Minuten gemacht sein, wenn die Technik am Konzertort passt. Manchmal aber geht das wie Kraut und Rüben durcheinander, dann kann das 90 Minuten dauern. Einmal mussten wir den Konzerteinlass sogar um eine halbe Stunde nach hinten schieben. Wenn aber alles glatt läuft, kann ich vor dem Auftritt in Ruhe noch was essen und meine Stimmerwärmung machen.

Und nach dem Konzert? 
Erstmal noch mit den Leuten quatschen, Merchandise, CDs signieren und so was. Das macht Spaß. Aber wenn es Abend um Abend auf die Bühne geht, dann freu ich mich, wenn ich um 23.30 Uhr im Hotel bin, damit ich fit bleibe und durchhalte. Bis ich nach einem Konzert zur Ruhe gekommen bin, ist es manchmal um 2 Uhr und oft geht’s um 9 Uhr wieder weiter. Anders ist das am letzten Tourtag oder nach großen TV-Produktionen oder Preisverleihungen – da wird natürlich angestoßen und gefeiert! 

Haben Sie beim Touren Ansprüche an die Unterkunft?
Na ja, zu Beginn war ich für jede Couch bei Freunden oder Bekannten dankbar. Heute freue ich mich über Ruhe, eine gute Matratze und einen Wasserkocher, damit ich mir noch einen Tee kochen kann. Es gibt auf Tour immer Ausreißer nach oben und unten. In Kiel hatte ich sogar eine Suite, keine Ahnung warum. Aber das fand ich natürlich total nett. An einem anderen Ort, ich weiß gar nicht mehr, wie der hieß, hatten sie in so eine kahle, kühle Backstage-Kabine ein Klappbett gestellt, dann war ich nachts allein mit dem großen Saal dahinter, da hatte ich regelrecht Schiss.

Wenn man so viel unterwegs ist, bekommt man überhaupt etwas von den Städten mit? 
Bei der hohen Konzertfrequenz wie 2019 bin ich meistens so eingetaktet, dass ich es gar nicht schaffe, mir den Ort noch groß anzugucken. Wenn mehr Zeit ist, mach ich das gern, in München war ich zum Beispiel im Englischen Park, und nach Weimar will ich unbedingt nochmal – mit Zeit. Nach München auch. 

Haben Sie überhaupt noch Lust, privat zu reisen?
Im krassen Tour-Jahr 2019 schlug mein Bruder vor, Weihnachten in Südafrika zu verbringen. Ich hätte das sehr gern gemacht, aber keine zehn Pferde hätten mich zu diesem Zeitpunkt in ein Flugzeug bekommen. Ich hätte vor Ort ja doch nur geschlafen, weil ich so viel gearbeitet hatte. Jetzt ist das anders, weil ich meinen Tourplan nicht mehr so krass vollstopfe und, na ja, durch Corona auch viel Zeit da ist. Jetzt habe ich Fernweh, nach Irland, nach Dänemark und nach Australien oder Neuseeland möchte ich auch sehr gerne wieder. Aber es geht ja nix.

Sind Sie beim Urlauben mehr der Berg- oder Meertyp?
Meer, Strand, Sonne. Berge gar nicht, da fühle ich mich schnell eingeengt. Am Strand werde ich kreativ – und Kitesurfen habe ich im letzten Sommer auch gelernt.

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