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Darf’s ein bisschen mehr sein?

von Anja Neumann
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Der Wochenmarkt gehört fest zum Lüneburger Stadtleben. So vielfältig wie die Produkte sind, die hier angeboten werden, so weit reicht auch die Geschichte des Marktes zurück. 1570 wurde der Markt das erste Mal urkundlich erwähnt, weiß Dr. Thomas Lux vom Lüneburger Stadtarchiv. Damals fand er mittwochs und freitags an den Brodbänken, Am Sande und am Rathausplatz statt. Waren, die auf dem Markt verkauft wurden, durften nicht wiederverkauft werden. So stand es in der damaligem Marktsatzung. An Nichtmarkttagen wurde vor den Toren Lüneburgs Holz und Vieh vertrieben. Ab dem 17. Jahrhundert kamen an ausgewählten Herbsttagen Landwirte und Käufer aus der gesamten Region, um mit Rindern auf dem heutigen Ochsenmarkt zu handeln. Private Haushalte und Landleute konnten ab 1881 dann Roherzeugnisse, Beeren und Pilze aus den heimischen Gärten verkaufen. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es zusätzlich spezielle Jahrmärkte an der St. Michaeliskirche, wie zum Beispiel jeden dritten Sonntag nach Ostern den Michaelismarkt oder einen Tag danach den Pferdemarkt. An Adventssonntagen sei der Schweinemarkt ein besonders beliebtes Ziel in Lüneburg gewesen, so Dr. Thomas Lux. 

Käufer aus der gesamten Region

Bis heute hat der Wochenmarkt nichts von dieser Anziehungskraft verloren. Fülle, Pracht, Farbenreichtum – all das findet sich hier. Jeden Mittwoch und Sonnabend bieten die Marktbeschicker vor dem Rathaus ihre frischen Waren an. Besucher bekommen saisonales Obst und Gemüse aus der Region, Käse, Fisch, Fleischwaren, Backwaren, Gewürze, besondere Öle und vieles mehr. Mediterrane Spezialitäten lassen auf dem Markt ebenso das Wasser im Munde zusammenlaufen, wie Gurken aus dem Spreewald. Besonders angesagt ist übrigens selbst gemachtes Kimchi, ein fermentiertes Gemüse nach koreanischer Art. Kimchi gilt als Superfood. Auch für eine Mittagspause bietet sich so ein Marktbesuch an. Von der bodenständigen Bratwurst über die arabische Reisbox bis hin zum regionalen Burger gibt es hier für jeden Geschmack das Richtige. Ein Tipp: Auch mal Exoten wie die Cara-Cara-Frucht ausprobieren. Haben Sie schon davon gehört? Das ist ein Mix aus Orange und Pampelmuse. Süß, sauer und gar nicht bitter – was die Pampelmuse eigentlich vermuten lässt.

Individualität und Vielfalt

Doch kommt man auf dem Lüneburger Wochenmarkt nicht nur geschmacklich auf seine Kosten – auch für das Auge gibt es eine bunte Auswahl. Wer seitlich des Rathauses den Ochsenmarkt entlanggeht, findet die Blumen- und Pflanzenstraße. Im Winter gibt es dort eine bunte Palette an Schnittblumen. Ab März geht es dann mit den ersten Pflanzen für den Garten los. Wochenmarktbesucher können sich so immer ein bisschen Markt mit nach Hause nehmen und sei es der samstägliche Blumenstrauß.

3:15 Uhr 
Um diese Zeit startet für viele Markt-Beschicker ein Wochenmarkt-Tag

Fragen Sie sich auch manchmal, wie lang so ein Markttag für die Marktbeschicker eigentlich dauert? Wann müssen sie aufstehen? Wie viel Arbeit steckt dahinter? „Das ist ganz unterschiedlich“, erzählt Heiko Meyer vom Obsthof Meyer aus dem Alten Land. „Unser Tag beginnt eigentlich schon am Nachmittag vor dem eigentlichen Markttag mit dem Beladen der Apfelkisten. Der eigentliche Markttag startet um 3.15 Uhr.“ Nach der Ankunft auf dem Lüneburger Markt geht es weiter mit Aufbau, Verkauf, Abbau, Heimfahrt und erneutem Beladen. Mittwochs zum Beispiel muss Heiko Meyer dann gleich wieder neu beladen, für einen anderen Markt am Folgetag in der Region. Andere Bauern, die auch den Lüneburger Markt beschicken, müssen saisonbedingt nach dem Markt nachmittags noch auf die Felder, um Gemüse zu ernten, wie zum Beispiel aktuell den Grünkohl. 
Zum Schluss noch ein Tipp: Besuchen Sie doch, wenn Sie auf Reisen sind, auch mal den örtlichen Wochenmarkt Ihres Urlaubsortes. So lernen Sie gleich die Menschen und die kulinarischen Spezialitäten der jeweiligen Region kennen.

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