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Kunst im Fenster

von Melanie Jepsen
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Knallig, auffallend, farbenfroh, dezent, zurückhaltend – Kunst kann so vieles sein. Covid-19 hat die Kulturlandschaft Lüneburgs in einen ungewollten Winterschlaf versetzt. Museen sind geschlossen, Konzerte können nur via Live-Stream übertragen werden. Und doch gibt es sie, die zündenden Ideen, die Mut machen. Das Team des Vereins „mosaique“ hat kurzerhand eines seiner Fenster in eine Kunstgalerie verwandelt. Ganz nach dem Motto „Stehenbleiben, schauen, sich inspirieren lassen“.

„Wir haben im Team überlegt, was wir noch in dieser Zeit machen können“, sagt Andrea Ortiz. Nicht jeder habe Internetzugang, um an Online-Angeboten teilzunehmen. Daraus entstand die Idee für das Mo‘Fenster. Mit Erfolg. Mehr als 33 Künstler haben seit Beginn des Projektes ihre Kunst im Fenster ausgestellt. „Es ist eine schöne Möglichkeit, etwas besser durch die Zeit zu kommen“, erzählt Andrea Ortiz mit Blick auf die aktuelle Situation. Die 25-Jährige kommt aus Ecuador und ist seit September 2019 Teil des „mosaique“-Teams. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen organisiert Andrea Ortiz das Projekt „Mo‘Fenster“. Sie freue sich, wenn die Menschen vorbeilaufen und in das Fenster der ausstellenden Künstler schauen, sagt die junge Frau.

Foto: nh/Marianne Esders
#iphoneart: Hier im Kunstschaufenster zu sehen sind Werke von Marianne Esders. Die Künstlerin malt Bilder auf dem Display ihres Mobiltelefons. Foto: tonwert21.de
Foto: nh/Marianne Esders

Alle zwei Wochen wechseln Themen und Künstler. Ausgestellt werden kann, was gefällt. Ob Fotografie, Malerei, Skulpturen oder Comiczeichnungen, der Ideenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Die Kulturschaffenden können kostenlos ihre Werke im Fenster 14 Tage lang präsentieren. Voraussetzung: Sie müssen ihr Kunstschaufenster selbst dekorieren und die Werke und Objekte platzieren.

Neben der Kunst im Mo‘Fenster stellt das Team auch sein MOSMAG, „mosaique“-Magazin, im Schaufenster aus. Unter dem Motto „mosaique erzählt” gibt es einen vielfältigen Einblick in die Projekte und Aktivitäten des Begegnungszentrums. 

Claudia Wolf bildet in ihren Bildern Gefühle, Emotionen ab und wehrt sich auch gegen Schubladendenken. Durch gesundheitliche Probleme kam ihre Kreativität fast zum Erliegen. Während einer Reha 2019 fand sie ihren Weg zur Kunst. Das Malen, so beschreibt die Hobbykünstlerin, habe für sie etwas Beruhigendes. Claudia Wolf malt Acryl auf Leinwand. Hauptsächlich malt sie Silhouetten der Charaktere ihrer Lieblingsserie „Supernatural”. Die Lüneburgerin genießt es, sich künstlerisch auszuprobieren und sich im Team des Vereins zu engagieren. Die Mo‘Fenster seien eine Chance für viele Künstler, freuen sich Andrea Ortiz und Claudia Wolf. „Man erreicht Menschen, die man sonst vielleicht nicht erreicht.“

Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen organisiert Andrea Ortiz das Projekt „Mo‘Fenster“ Foto: nh/tonwert21.de

Auch Marianne Esders hat bereits im Mo‘Fenster ausgestellt. „Ich habe die Bilder dieser Ausstellung mit den Fingern auf dem 4,6 Zoll Display eines iPhone 6 gemalt“, berichtet sie. „Die Ausdrucksfläche ist dabei begrenzt. Der Ausführungsort nicht. Ich habe das Smartphone fast immer dabei. Vieles entsteht eher zufällig. Ich mag es, die Begrenzung des glatten Displays mit dieser Zufälligkeit zu füllen. So mache ich mich frei, vielleicht auch von den Begrenzungen des Lockdowns“, meint die Künstlerin. „Linien, Flächen, Farben. Es gibt unendliche Möglichkeiten, sich auszudrücken. Das erschöpft sich nie.“

Die Idee der Mo‘Fenster findet sie gut: „Im ,mosaique‘ engagieren sich viele Menschen für eine offene und kulturell vielfältige Stadt. Das ist wichtig und richtig. Ich lebe in dieser Stadt und trage auf meine Art etwas dazu bei. Das ,mosaique‘ und der Kulturrausch geben mir eine Möglichkeit, etwas davon zu zeigen. Darüber freue ich mich.“ Die Katzenstraße sei ein guter Ort, auch durch andere wichtige Projekte, die in der Straße stattfinden, sagt Marianne Esders. „So befindet sich gegenüber dem ,mosaique‘ das Böll-Haus mit vielen Initiativen, und ich engagiere mich zum Beispiel für die Anliegen der Initiative Seebrücke, die dort zu finden ist. Auch das Avenir, das Anna & Arthur und natürlich das ,mosaique‘ selbst machen diese Stadt zu einem lebenswerteren Ort. In dieser Straße geht es nicht vorrangig um Konsum und Kommerz. Hier kommen Menschen zusammen, tauschen sich aus und bewegen etwas.“

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