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An Guada!

von Anja Neumann
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Die Legende der Maultasche hat‘s in sich. Sie ist mehr als 500 Jahre alt. An einem Gründonnerstag soll sich im schwäbischen Kloster Maulbronn eine Täuschung ereignet haben. Ausgerechnet zur Fastenzeit wurde Fleisch in Nudelteig, den Maultaschen, versteckt – und genossen. Daher haben sie auch ihren Spitznamen: Hergottsbescheißerle. Eine andere Legende besagt, dass Maultaschen italienische Teigtaschen sind, die von den Schwaben kopiert wurden.
Die ganze Familie wird in der Karwoche zu Ostern beim Wickeln der Teigtasche mit eingebunden. In großen Mengen verarbeiten Jung und Alt Brät, Semmelbrösel, Spinat, Zwiebel, Eier, Kräuter und Gewürze. Jede Familie setzt auf ihre ganz eigene Variante der klassischen Version. Am Gründonnerstag servieren die Schwaben die klassische Maultasche mit Brühe. Völlig verschiedene Varianten folgen an den kommenden Ostertagen. Selbst süße Varianten wie Maultaschen mit Kirschen oder karamellisierten Äpfeln landen auf dem Teller. Früher war die Maultasche noch ein Arme-Leute-Essen. Heute hat sie sich durchaus zum schwäbischen Nationalgericht gemausert.

Egal, ob süß oder herzhaft

In der Lüneburger Heide gibt es Nachholbedarf. Das wollen die Heideschwaben ändern. Die Heideschwaben, das sind die 32-jährige Melanie Witte aus Embsen und der 39-jährige Christopher Beurer aus Tübingen. Sie kennen sich schon länger. Zusammen sind die beiden erst seit letztem Jahr. Führen aber aktuell noch eine Fernbeziehung. Christopher arbeitet in der IT-Branche. Melanie ist gelernte Bankkauffrau. Backt aber an den Wochenenden auch Torten für den Hof an den Teichen in Rettmer. Ihr Herz schlägt für Süßes. Torten, guter Eierlikör sind nur ein paar der Spezialitäten, auf die sich Meli eingeschossen hat.

Foto: ©FomaA - stock.adobe.com

Viel Zuspruch

„Während des ersten Corona-Lockdowns haben wir gegenseitig uns, Freunde und Verwandte mit Melis Likören und Christophers Maultaschen versorgt und haben so viel Zuspruch gefunden, dass die Idee aufkam, auch andere an unseren leckeren Sachen teilhaben zu lassen“, erzählen die beiden. So entstand die Heideschwaben-Idee. Seit September 2020 führt das Paar das kleine Unternehmen in Embsen. Hergestellt werden die Maultaschen allerdings in Tübingen, dem Heimatort von Christopher. Die beiden haben noch keine Möglichkeit der Nutzung einer Industrieküche in Lüneburg gefunden, in der ihre Leckereien hergestellt werden dürfen. Also fahren die zwei alle 14 Tage nach Tübingen oder treffen sich dort.

Regionalität

Aktuell werden drei Sorten hergestellt: „Der Klassiker“, „Der Bentheimer“ und „Die Wilden“. „Der Klassiker“ beinhaltet bei Christopher Spinat, Rinderhackfleisch, Brät und Paniermehl. Wichtig ist Christopher und Melanie, dass regionale Produkte genutzt werden. So wird in der „Bentheimer Maultasche“ neben den klassischen Zutaten zum Beispiel Fleisch vom Bentheimer Schwein von dem „Hof an den Teichen“ genutzt. Außerdem verwendet Christopher Pfifferlinge. „Das hebt den Fleischgeschmack besonders hervor“, erklärt er. Auf die Frage, ob die beiden noch Maultaschen sehen können, antwortet die 32-Jährige mit einem kleinen Schmunzeln „Christopher kann sieben Tage die Woche Maultaschen essen, mir persönlich reicht es, wenn wir die Sorten bei der Herstellung testen“.

Während des ersten Corona-Lockdowns haben wir gegenseitig uns, Freunde und Verwandte mit Melis Likören und Christophers Maul­taschen versorgt und haben da so viel ­Zuspruch gefunden, dass die Idee aufkam, auch andere an unseren leckeren Sachen teilhaben zu lassen.
Melanie Witte und Christopher Beurer

„Allerdings probieren wir auch immer wieder neue Sorten. Ostern gibt es zum Beispiel eine Sonderedition mit Lamm “, schwärmt Christopher. Ihm ist außerdem wichtig, dass man die Zutaten im Maultäschle sehen kann und die Füllung kein Einheitsbrei ist. Regionalität und Qualität, darauf kommt es dem Paar an. Eier und Korn für den Eierlikör, Gemüse und Fleisch für die Maultaschen, alles kommt aus der Lüneburger Region. Zwischen 50 und 100 Portionen Maultaschen werden pro Woche in Tübingen von Melanie und Christopher hergestellt, je nach Auftragslage. Tendenz steigend.

Online-Workshops

Auf Bestellung kann man aktuell auch Melanies hausgemachte Eierlikör-Sorten ordern. Tonka, klassisch oder Tonka-Orange stehen hier zur Auswahl. Wer nicht nur ordern, sondern das Handwerk direkt erlernen möchte, der kann auch Online-Workshops buchen: Maultaschen, Torten, Krapfen und andere kulinarische Highlights wie niedersächsische Hochzeitssuppe werden dort regelmäßig angeboten. Guten Appetit oder wie der Schwabe sagt: „An guada Abbedid!“

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