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Kritzelkunst

von Melanie Jepsen
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Lina Manati liebt es Geschichten zu erzählen. Lina heißt eigentlich Lina Fleïng und lebt mit ihrem Sohn Leo (8) in Lüneburg. Manatis, so erklärt die 34-Jährige sind Seekühe, die im Atlantik beheimatet sind. Lina Manati hat ein Faible für diese friedlichen Riesen, die Ruhe und Gemütlichkeit ausstrahlen und sich im Wasser elegant fortbewegen. So war ihr Künstlername geboren. „Es sind die Welten, die ich mit dem Malen erschaffen kann“, beschreibt die gebürtige Marburgerin ihre Leidenschaft. Lina Manati liebt Wimmelbilder, Roboter und Putziges. Gemalt hat sie eigentlich schon immer. Als Jugendliche entdeckte sie irgendwann die Welt des Comics für sich. Da schwappte gerade eine Graphic-Novel-Welle aus den USA über. Lina Manati ist davon fasziniert, was Künstler aufs Papier bringen: „Das ist wie ein leiser Film, der im Kopf abläuft.“

Welten erschaffen

Mit den Jahren hat Lina Manati ihren ganz eigenen Stil gefunden. „Ich mag Geschichten, die den Kopf und das Herz ansprechen“, bringt sie es treffend auf den Punkt. Lina Manati verarbeitet unterschiedliche Themen in ihren Bildern. Oft sind ihre Motive lustig und unterhaltsam, manchmal aber auch etwas ernster. Ihre Illustrationen, teils mit Graphit, Aquarell oder auch Tinte geschaffen, entführen in fremde Welten, laden zum Suchen und Entdecken ein. Lina Manati hat in Lüneburg Angewandte Kulturwissenschaften studiert, war danach als Museumspädagogin in Hamburg tätig, bevor sie sich als Illustratorin oder Kritzelkünstlerin, wie sie sich selbst nennt, selbstständig machte. Seit Kurzem arbeitet Lina Manati in einer Werbemittelagentur und widmet sich nebenher weiter ihrer großen Leidenschaft, dem Malen, vertreibt illustrierte Postkarten über ihren Online-Shop. „Bilder können immer wiederkehrende Geschichten erzählen, mit denen sich viele Menschen identifizieren“, sagt die Künstlerin.

Fantasiewesen mit klaren Farben

Fortlaufend entstehen skurrile Betrachtungen der Realität, „und wie sie sich im Kopf des Manatis auslebt“: Da gibt es Fantasiewesen wie die Schrulla oder die Sammeltrine, die mit Frau Elster in die Bibliothek geht, um im Almanach der tausend Dinge zu lesen. Allesamt liebevoll gestaltete Charaktere, die die Freundschaft zwischen drei Frauen widerspiegeln. Auch in ihren Adventskalendermotiven tauchen die Freundinnen auf. Lina Manati hat die Illustrationen eigens für die Vorweihnachtszeit entworfen und auf Instagram veröffentlicht. Woanders trifft der Betrachter auf eine überdimensionale Ameise, die am Strand entlangkrabbelt, einen Gedankenkarpfen als Postkartenmotiv, der in Corona-Zeiten alle Lieben virenfrei und risikolos zu Weihnachten an den Tisch holt. Im nächsten Motiv stellt sich die Frage: Porträt oder Roboter? Kurzum: ein wildes Potpourri der Ideen und Gedanken. Auch die Wahl der Farben ist genau durchdacht. Sie unterstreichen die Gefühle, die ihre Bilder ausdrücken und im Betrachter auslösen. „Ich mag klare Farben total gerne.“

Liebe zum Detail

Doch wann ist ein Bild wirklich fertig? Lina Manati ist diese Frage nicht fremd: „Es ist absolut schwierig aufzuhören, weil man immer etwas besser machen möchte.“ Eines fällt sofort ins Auge: Ihre Liebe zum Detail. Viele ihrer Zeichnungen und Illustrationen erinnern an kleine Wimmelbilder. Schon als Kind sei sie in der Kinderbuchreihe „Pettersson und Findus“ von Sven Nordqvist versunken und habe die vielen kleinen versteckten Details gesucht, blickt die Künstlerin zurück. Diese Begeisterung habe nie aufgehört. Bei Lina Manati verschwimmen die Grenzen zwischen Hobby und Beruf. Das Malen ist ein großer Teil ihres Alltags. Gerne setzt sie gemeinsam mit ihrer guten Freundin und Künstlerin Kokee Thornton kreative Ideen um, lässt die Fanatsie sprudeln oder malt mit ihrem Sohn daheim zu Hause am Esstisch. Der Achtjährige hat die Freude am Malen von seiner Mutter mitbekommen. „Er hat einen großartigen Löwen gemalt, der im Wohnzimmer hängt“, verrät sie.

Ich mag Geschichten, die den Kopf und das Herz ansprechen.
Lina Manati

Wenn die Lüneburgerin malt, vergisst sie alles um sich herum. So gut wie alle ihre Bilder entstehen daheim in ihrem Arbeitszimmer auf dem digitalen Zeichenblock. Dieser Ort ist ihre kleine kreative Oase. Die Ideen kommen Lina Manati in ihrem Alltag oder manchmal auch im Schlaf. Deshalb liegt neben ihrem Bett auch ein Block. Wie Puzzleteile fügen sich die Gedanken letztendlich zu einem Bild. „Wenn mein Kopf zu voll ist, kommen keine Bilder. Dann muss ich mich irgendwie freistrampeln“, verrät die Künstlerin. „Ich fühle mich nicht ganz, wenn ich nicht male. Das ist für mich total befreiend“, sagt sie. Ihr großer Traum: Sie möchte irgendwann ein Brettspiel grafisch gestalten und Bilderbücher für Kinder illustrieren. Nur der Verlag, der fehlt ihr noch.

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