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Echtes Hamburger Handwerk

von Josephine Wabnitz

Freitagabend, 19.30 Uhr, Treffpunkt Zoom. Online-Verkostungen sind längst nicht mehr so exotisch wie noch vor einem Jahr, mit der Technik sind alle Teilnehmenden längst vertraut. Ungewohnt für mich ist jedoch das Produkt: Auf meinem Schreibtisch stehen fünf gekühlte Flaschen der Landgang Brauerei aus Altona. Es ist meine erste richtige Bierverkostung. Aus dem Seminarraum heraus stellt Brauer Sascha dem Publikum seine Kreationen vor. Übrigens: Im Unterschied zur Weinverkostung wird hier der erste Schluck „einfach so” getrunken; ganz ohne Schwenken und Kaubewegungen. Und ausspucken sollte man besser auch nicht, um die Bitterstoffe richtig wahrnehmen zu können.

„Einfach so“ trinken

Zusätzlich zu dem Event „to huus” habe ich noch die Möglichkeit, mit Mitarbeiterin Claudia Schröder zu sprechen, die für den Verkauf in die Gastronomie zuständig ist. Natürlich weiß sie nicht nur über den Betrieb selbst, sondern auch über die Prozesse dahinter bestens Bescheid. „Ich sage immer: Bierbrauen ist wie Kochen. Aus den gleichen Grundzutaten lassen sich je nach Rezept die unterschiedlichsten Produkte herstellen. Bier besteht hauptsächlich aus Wasser; das nehmen wir direkt aus dem Hahn. Es wird aufbereitet, mit Getreidemalz vermischt und auf 65-70 Grad erhitzt.“ Für gewöhnlich verwende man Gerste oder Weizen, aber auch Hafer sei nicht unüblich. 

Gerste, Weizen oder Hafer

Woher kommt denn das Malz? „Wir beziehen es von einer Mälzerei, die ausschließlich deutsches Getreide verwendet.” Zusammen mit dem warmen Wasser bilde es dann die sogenannte Maische. Ein Begriff, den ich aus der Weinwelt wiedererkenne. Nun folgt Zutat Nummer drei: Hopfen. „Sieht aus wie kleine Tannenzapfen und verleiht dem Bier seine Würze, indem er Bitterstoffe abgibt. Je stärker gehopft wird, desto intensiver und bitterer wird der Geschmack.“ Und welcher Hopfen kommt in das Landgang Bier? „Den kaufen wir von Produzenten aus aller Welt. Wie bei den Rebsorten gibt es viele Hopfensorten mit unterschiedlichen Eigenschaften und Geschmacksprofilen.” Aber auch die Herkunft wirke sich direkt auf den Hopfen aus – ähnlich wie das „Terroir“ beim Wein. „Gerade dadurch wird Bier so vielfältig, obwohl alle Hersteller einem ähnlichen Rezept folgen”, so die leidenschaftliche Biertrinkerin.

In diesem Monat verlasse ich wieder einmal den Bereich des Weines und schaue etwas über den Glasrand hinaus. Foto: nh/tonwert21.de

Was ist eigentlich „Craft Beer“?

Nach der Zugabe des Hopfens werden ätherische Öle im Produkt gelöst, es wird im sogenannten Whirlpool gefiltert und schließlich Hefe für die Gärung hinzugegeben. Hier kann wieder aus verschiedenen Typen gewählt werden – für das alkoholfreie Bier wird bei Landgang etwa eine Hefe benutzt, die gar keinen Alkohol produziert. „Abschließend wird das Bier gelagert. Ein Pale Ale liegt etwa drei Wochen im Tank, wohingegen ein klassisches Pils oder ein Lagerbier bis zu sechs Wochen reifen.“
So weit, so gut. Endlich wird es Zeit für die Frage, die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge brennt: Was ist denn eigentlich „Craft Beer“? Meine Gesprächspartnerin schmunzelt.

Kreatives Brauen, Leidenschaft und Qualität

 „Der Begriff geht auf einen Trend aus den 80ern zurück. Damals versuchten viele US-Amerikaner, zu Hause ihr eigenes Bier zu brauen. Craft Beer heißt also eigentlich „von Hand gemacht“. Seit knapp 10 Jahren erfreut sich Craft Beer auch in Deutschland steigender Beliebtheit.“ Aber sicherlich wird bei Landgang nicht mehr alles händisch erledigt, oder? „Da hast du Recht“, gibt Claudia lachend zu. „Der Begriff hat sich mit der Zeit etwas gewandelt. Heute steht er eher für kreatives Brauen, Leidenschaft und Qualität. Und nach wie vor sind Craft Beer-Produzenten deutlich kleiner als die großen Brauereien. Zum Vergleich: Wir schaffen in einem Jahr so viel wie die Großen an einem Tag.“

Das Dreiergespann aus Hamburg

Die Landgang Brauerei selbst gibt es erst seit 2016, angefangen habe es damals mit den drei heutigen Geschäftsführern. Gründer Lars Grosskurth ist schon seit 15 Jahren in der Industrie unterwegs: „Auf seinen Reisen hat er festgestellt, wie unheimlich interessant er das Thema Bier findet und wie viel man auf der ganzen Welt dazu entdecken kann.” Die neu gewonnene Inspiration habe er dann mit nach Deutschland genommen. „Auf der Suche nach der Möglichkeit, seine Ideen irgendwie umzusetzen, lernte er unseren Brauer Sascha Bruns kennen, der sein Handwerk in Berlin gelernt hatte und gerne in Hamburg mit einsteigen wollte”, erzählt Claudia Schröder. Tim Becker, bekannter Hamburger Gastronom, machte das Dreiergespann komplett.

Führungen und Braukurse

 „Zu Beginn war die Produktion wirklich winzig, heute müssen wir wegen der rasant steigenden Nachfrage ständig anbauen.” Inzwischen gehört sogar eine eigene Gastronomie mit Bar dazu. Ein Besuch in Bahrenfeld lohne sich immer: „Wir bieten spannende Führungen und richtige Braukurse vor Ort an. Dass die mal nicht ausgebucht sind, kommt eher selten vor”, berichtet Claudia Schröder stolz. Fünf Jahre nach offiziellem Produktionsstart haben die Gründer ihre Idee längst Realität werden lassen. Heute gehören bereits sieben Biere und zusätzlich zwei saisonale Produkte zum Portfolio der Brauerei. Gestaltet mit farbenfrohen Etiketten und frechen Sprüchen fällt das Landgang-Bier gleich ins Auge … und bleibt ganz sicher im Gedächtnis!

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