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Glückliche Schweine

von Melanie Jepsen
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Sauwohl fühlen sich die Schweine auf dem Hof von Malte und Tim Luhmann. Gemütlich liegen sie in der Sonne, wälzen sich im Schlamm. Das ganze Jahr über leben die Tiere draußen.

Regionale Vielfalt bieten

Was aus einer spontanen Schnapsidee unter Freunden entstand, hat sich mittlerweile entwickelt. Damals hatte Tim Luhmann gerade den Hof mit großer Freifläche mitten in Handorf gekauft. Das war 2015. Heute leben mehr als 70 Tiere auf dem Hof und auf einer dazugehörigen Weide am Dorfrand. Die Brüder fanden für sich eine Nische, mit der sie sich von der Masse abheben möchten und neue Wege gehen. Die regionale Vielfalt auf den Feldern und Tellern zu erhalten, darum geht es ihnen. Malte und Tim Luhmann haben sich auf die Haltung und Direktvermarktung von alten und bedrohten Schweinerassen spezialisiert: Duroc, Angler Sattelschwein, Husumer Sattelschwein und Bunte Bentheimer. Mit zwei Rassen hatten sie damals angefangen.

Doppelt so langes Leben

Charakteristisch für diese Tiere sei ihr ruhiges Gemüt, ihre Robustheit, aber auch die Qualität des Fleisches, erklärt Malte Luhmann. Während in der konventionellen Schweinehaltung die Tiere im Schnitt mit fünf bis sechs Monaten geschlachtet werden, leben sie auf dem Hof der Brüder ungefähr doppelt so lang. Zum Zeitpunkt der Schlachtung haben sie ein Gewicht von gut 120 Kilo. Der Vorteil ihrer Rassen: Sie wachsen langsamer. Die Schweine der Handorfer Brüder erhalten viel Bewegung, dadurch bildet sich im Muskelgewebe Fett. Dies mache letztendlich den Geschmack aus, meint Malte Luhmann. Immer wieder gibt es da diese Momente, die für die beiden Handorfer unbezahlbar sind: „Wenn Kunden sagen, dass das Schwein wirklich nach Schwein schmeckt, motiviert uns das.“ 

Weidehaltung statt Stallhaltung

Im Alter von vier bis sechs Wochen kommen die Ferkel zu den Luhmanns. Dabei halten die Brüder immer engen Kontakt zu den jeweiligen Ferkelerzeugern. Selbst zu züchten, rentiere sich für sie bislang nicht, sagt Malte Luhmann. Geschlachtet werden die Tiere in Bad Bevensen. Das Fleisch wird anschließend beim Metzger in Kirchgellersen entsprechend verarbeitet. Weidehaltung sei wesentlich kostenintensiver als die Stallhaltung und rechne sich für große Mastbetriebe nicht, sagt Malte Luhmann. Auf dem Handorfer Hof sucht man vergebens einen Stall. Den braucht es hier nicht. Alle ihre Schweine Leben in Gruppen auf der Wiese, haben Platz. Die Tiere können sich jederzeit in isolierte Blechhütten zurückziehen. 

„Wenn Kunden sagen, dass das Schwein wirklich nach Schwein schmeckt, motiviert uns das.“
Malte Luhmann, Schweinehalter aus Handorf

Foto: nh/tonwert21.de

Sorgen hingegen bereitet den Luhmanns die Afrikanische Schweinepest, die immer mehr auf dem Vormarsch ist. Sollte sie sich weiter ausbreiten und irgendwann auch diese Region erreichen, sei die Freilandhaltung in der bisherigen Form nicht möglich, meint Malte Luhmann. Bereits jetzt tüfteln die Brüder an Alternativen wie etwa mobilen Ställen, um im Ernstfall rechtzeitig reagieren zu können. Aber sie hoffen, dass diese nicht zum Einsatz kommen müssen.

Selbst angebaute Futtermittel

Die Brüder sind von der naturnahen Freilandhaltung überzeugt. Ihren Schweinen die nötige Zeit zum Wachsen zu geben, ist der Leitgedanke der beiden. Auch die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle. Die Schweinehalter füttern ihre Tiere mit selbst angebauten Futtermitteln und Gemüse. Hinzu kommt Kraftfutter aus der Bardowicker Mühle und dem lokalen Landhandel. Malte Luhmann kommt ursprünglich aus dem Lebensmittelvertrieb und kümmert sich um das Marketing und den Vertrieb, sein Bruder um die gesamte Administration und die Landwirtschaft. 

Hofverkauf und regionale Läden

Er ist studierter Agraringenieur und arbeitet nicht Vollzeit im Betrieb, sondern ist als Landwirtschaftlicher Berater für die Landberatung tätig. Beide Brüder verbindet die Leidenschaft für guten Geschmack und das Bewusstsein für regionale Erzeugnisse. Sie kennen ihre Tiere in- und auswendig, können ihre Körpersprache lesen. Durch ihre Großeltern sind die Geschwister mit der Landwirtschaft aufgewachsen. „Es ist schön zu wissen, wo das Fleisch herkommt“, nennt Malte Luhmann einen zentralen Pfeiler der Direktvermarktung. Ihre Produkte verkaufen sie auf dem Hof und in regionalen Läden. 

Reichlich Ideen

Traditionelles bewahren und Menschen für die moderne Landwirtschaft zu begeistern, treibt die Start-up-Unternehmer an. Ideen haben sie reichlich. Auf ihrem Hof möchten sie einen Bauerngarten mit Gewächshaus anlegen, um Besuchern wie Kindergärten- und Grundschulgruppen die Landwirtschaft näherzubringen. Wie sieht ein Schwein aus? Wie leben diese Tiere? Wo kommt unser Fleisch her? Das alles sind Fragen, die die Menschen auf dem Handorfer Hof beantwortet bekommen. Auch Erwachsenenbildung möchten sie anbieten. Zudem nimmt ihr eigener Hofladen immer mehr Form an. Im Sommer ist die Fertigstellung geplant. Der Hofladen soll ein Treffpunkt werden, zum Austausch über regionale Produkte einladen.

Foto: nh/tonwert21.de
Foto: nh/tonwert21.de
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