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Dem Alltag davonpaddeln

von Ute Lühr
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Die Perspektive wechseln. Einen anderen Blick auf die Natur werfen. Dem Alltag davonpaddeln. Für Wolfgang Klose ist das seit mehr als 25 Jahren ein fester Bestandteil seines Lebens. Vom Wasser aus, sagt der passionierte Kanute, haben Flora und Fauna einen ganz besonderen Reiz, können in der einzigartigen Stille auch einzigartige Erfahrungen gemacht werden. Und dafür reicht der Schritt vor die Tür: Allein die Ilmenau berge eine Fülle an Geheimnissen.

Hohe Fluktuation

Seit 1950 existiert mit dem Lüneburger Kanu-Club auch in der kleinen Hansestadt ein Verein für Wassersportler: Gut 250 Mitglieder zählt die Gemeinschaft derzeit – Tendenz steigend: „Natürlich haben auch wir eine hohe Fluktuation“, sagt Wolfang Klose, der seit 16 Jahren Vorsitzender ist, „Corona hat aber aktuell dafür gesorgt, dass wir doch einige Neueinsteiger gewinnen konnten.“ Denn Paddeln – das ist mit Abstand ein idealer Sport: Für Individualisten und Menschen, die nach Gesellschaft suchen, für Wettkämpfer und Genussbedürftige, für Junge und Ältere. Da gibt es zum Beispiel die Feierabendgruppe, die sich einmal pro Woche am Bootshaus trifft und für zwei Stunden auf das Wasser geht.

Kajak oder Canadier

In vereinseigenen Kanus, denn das bietet der LKC auch: „Wir haben zahlreiche Boote, die wir unseren Aktiven zur Verfügung stellen“, sagt der Vorsitzende, „meist sind das Modelle, die uns von Mitgliedern überlassen wurden, weil sie sich anderes Material angeschafft haben.“ Kajak oder Canadier – diese beiden Varianten stehen zur Verfügung, sind unter dem Oberbegriff des Kanus zusammengefasst: „Der entscheidende Unterschied ist das Paddel“, erklärt Wolfgang Klose, „beim Canadier ist es ein Stech-, beim Kajak ein Doppelpaddel.“ Aber auch die Position im Boot sei anders: Während man sich im Canadier im Idealfall kniend und oberhalb der Wasseroberfläche bewege, sitze man im Kajak auf Höhe der Wasserlinie, habe zudem eine Spritzdecke als Schutz. Glasfaserverstärkter Kunststoff oder Polyethylen: Auch beim Werkstoff gibt es Unterschiede. „Das hängt von der Bestimmung ab“, erklärt der Experte.

Training vor Ort

Glasfaser sei leichter als das sogenannte PE und auch empfindlicher, ließe sich aber leichter reparieren. „Grundsätzlich bevorzugen die meisten Freizeitpaddler aber Polyethylen, da es fast unverwüstlich ist und auch den Ausflug in die Uferböschung verzeiht.“ Die Slalomgruppen haben wiederum andere Anforderungen. Insbesondere der Nachwuchs hat sich diesem Sport in den leichten Booten verschrieben, kann sogar vor Ort trainieren: Auf der Ilmenau ist ein Kurs abgesteckt, seit vielen Jahren existiert diese Strecke. „Zahmwasser“ heißt das Gewässer aufgrund seiner geringen Fließgeschwindigkeit, doch auch die dynamischere Variante findet Gefallen im Norden: „Es gibt regelmäßige Vereinsfahrten“, erklärt Wolfgang Klose, „darunter auch Wildwasserreisen nach Österreich oder Slowenien.“

Tiere hautnah

Er selbst bevorzugt die genügsamere Alternative – auf der Ilmenau oder Teilen der Elbe: „Die Natur ist wunderschön“, sagt er, „auch hier.“ Kaum einer, der es nicht selbst erlebt hat, könne ahnen, wie faszinierend es beispielsweise sei, einem Eisvogel zu begegnen. „Mitunter hat man fast das Gefühl, als begleite er einen.“ Aber auch Schwäne oder Gänse begegneten einem hautnah. Oder auch andere Sportler. „Denn Elbphilharmonie, Außenalster oder den Hamburger Hafen vom Wasser aus zu erfahren, ist grandios“, erklärt der Fachmann, „und beliebt.“ Nicht selten lägen zwischen 400 und 500 Boote in der Rathausschleuse derart dicht an dicht, dass das Wasser kaum noch zu erkennen sei. Einstiegsplätze wie an der Krugkoppelbrücke seien mittlerweile kaum noch zu nutzen, „die sind von den Stand-Up-Paddlern in Beschlag genommen worden.“

Stand-Up-Paddle-Boards

Stand-Up-Paddle-Boards gibt es mittlerweile aber auch beim Kanu-Club: „Wir sind dem Trend gefolgt und haben einige für unsere Mitglieder angeschafft“, sagt der Vereinsvorsitzende, „und die werden insbesondere vom Nachwuchs regelmäßig genutzt.“ Der habe aber auch mit den Kanus seinen Spaß: Nicht selten endet ein Ausflug auf dem Gewässer im selbigen. Das ist im Winter aber den ganz Harten vorbehalten – der Sport an sich nicht: „Gepaddelt wird das ganze Jahr hindurch“, sagt der Vereinsvorsitzende, „vom ersten Oktober bis Ende September haben wir Saison.“ Denn wirklich kalt werde einem auch bei eisigen Temperaturen nicht: „Das ist eine Frage von Verpackung und Bewegung“, sagt er.

Ohne Ehrenamt geht nichts

Dennoch finden die meisten Aktivitäten dann doch in den wärmeren Monaten statt. So auch zu Pfingsten. „Da unternehmen wir häufig gemeinsame Fahrten zu anderen Vereinen oder haben diese bei uns zu Gast.“ Die Voraussetzungen sind ideal: Ein großzügiges Gelände zwischen Friedrich-Ebert-Brücke und Ilmenau steht den Mitgliedern zur Verfügung, in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt. Da kann gezeltet und gegrillt werden. Da muss aber auch viel gepflegt werden.
„Ohne freiwilliges Engagement geht auch bei uns natürlich nichts“, sagt Wolfgang Klose, „deshalb sind wir froh, dass wir einen sehr engagierten Bootshauswart haben, der viel Zeit investiert.“ Und viele weitere Ehrenamtliche – auch der Vorstand und die Übungsleiter, und nur deshalb können auch in Lüneburg Wettkämpfe stattfinden: Am 11. und 12. September finden die Landesmeisterschaften im Slalom am Wandrahmpark statt.

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