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In Bewegung

von Melanie Jepsen
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Gregor Meyle, Roachford, Ian Cussick, Jane Comerford, Henning Wehland, Jenniffer Kae – Peer Frenzke kennt sie alle. Der Songwriter und Gitarrist aus Lüneburg hat sich der Musik verschrieben. Er prägt die hiesige Rock-Szene, stand in den vergangenen Jahren mit vielen Musikern gemeinsam auf der Bühne. Mit der Konzertreihe „1st Class Session“ holt er seit 2007 nationale und internationale Künstler in die Salzstadt. Auch dem musikalischen Nachwuchs gibt er seine Begeisterung für die Musik im Unterricht weiter. Aktuell macht sich Peer Frenzke für Künstler stark, deren Existenz durch die Corona-Pandemie bedroht ist und fährt dafür quer durchs Land.

Herr Frenzke, Sie sind Musiker, Produzent, Pädagoge und Mitgründer des Vereins „1st Class Session – Artist Support“, der sich für Künstler in Not einsetzt. Zudem engagieren Sie sich für die Corona-Künstlerhilfe. Wie ist aktuell die Stimmung unter den Kulturschaffenden?

Peer Frenzke: Nach anfänglichem Optimismus, ist die Hoffnung auf Indoor-Konzerte erneut gedämpft. Nach der neuen Coronaverordnung sind uns auch in diesem Herbst und Winter fast alle Gigs weggebrochen. Die Situation ist beklemmend und für viele existentiell bedrohlich, sodass wir dringend auf weitere Spenden angewiesen sind, um unverschuldet in Not geratenen Künstler*innen helfen zu können.

Was konnten Sie und Ihre Mitstreiter bereits bewegen?

Peer Frenzke: Wir haben fast eine Million Euro Spenden an bedürftige Künstler*innen verteilen können.

Seit Wochen fahren Sie durch das Land, um sich für die Kulturszene stark zu machen. Was machen Sie genau und wem sind Sie auf Ihrer Reise schon begegnet?

Peer Frenzke: Ich interviewe prominente Künstler*innen zur aktuellen Lage und bitte um eine Signatur unterschiedlicher Exponate, die wir dann höchstbietend versteigern oder verlosen. Unter anderem bin ich Otto Waalkes, Tim Mälzer, Max Mutzke, Thees Uhlmann, Miss Allie, Johannes Oerding, Atze Schröder und Ingo Pohlmann begegnet. Bislang habe ich in meiner ehemaligen Heimat, dem Schwarzwald, und in Lindau am Bodensee Station gemacht. In Berlin gab es auch schon mehrere Treffen mit diversen Künstler*innen. Ein Großteil meiner Besuche beziehungsweise Begegnungen mit den Künstler*innen fanden im Hamburger Raum statt. Weitere geplante Stationen sind der Kölner Raum und eine Begegnung mit einem sehr prominenten Sänger, der sich gerade in Berlin aufhält.

Da machen Sie mich jetzt neugierig. Um wen handelt es sich?

Peer Frenzke: Das kann ich noch nicht verraten.

Foto: nh/tonwert21.de

Die Musiklandschaft ist meines Erachtens insgesamt schnelllebiger und beliebiger geworden.
Peer Frenzke
Musiker

Wie haben die Künstler auf Ihre Aktion reagiert?

Peer Frenzke: Nach anfänglichem Zögern, ist die Bereitschaft, sich für unser Projekt einzusetzen, innerhalb des letzten halben Jahres deutlich gestiegen. Die Künstler*innen haben erkannt, wie brisant sich die aktuelle Situation zugespitzt hat. Es scheint mittlerweile weitgehend Konsens zu sein, dass wir uns nur durch solidarisches Verhalten und ein gemeinsames Sprachrohr in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen können. Ich freue mich sehr darüber, dass wir uns nun auch mit dem gerade frisch gegründeten Verband Pro Musik, mit dem wir intensiv kooperieren, auch politisch positionieren können. Eine Musikergewerkschaft, wie sie sich bereits zum Beispiel in Frankreich etabliert hat, ist längst überfällig.

Welches Erlebnis ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Peer Frenzke: Die Begegnung mit Atze Schröder in seiner privaten Wohnung war besonders freundlich und zugewandt – wir kannten uns aus vergangenen Top 40 Band-Zeiten – es war fast schon eine vertraute und intime Atmosphäre – ein sehr emphatischer und authentischer Mensch.

Anfang der 90er-Jahre spielten Sie als Profigitarrist in verschiedenen Bands. Es folgten nationale und internationale Konzerte, TV- und Rundfunkauftritte. Später arbeiteten Sie als Produzent für Musical- und Theatermusik und begleiteten Künstler wie Ian Cussick, Henning Wehland oder Ingo Pohlmann. Wie hat sich die Musikbranche mit den Jahren verändert?

Peer Frenzke: Die Musiklandschaft ist meines Erachtens insgesamt schnelllebiger und beliebiger geworden – das Streaming und inflationäre Angebot auf den digitalen Portalen erschlägt den Rezipienten geradezu – reich werden leider nur die Verlage und die noch verbliebenen Plattenfirmen – die Künstler gehen weitgehend leer aus, was ein Skandal ist. Andererseits war die Kulturszene nie so vielfältig, wie es aktuell der Fall ist … Jeder kann heute theoretisch mit einem Laptop und einem youtubechannel ein Star werden. Das Livespielen hat um so mehr an Bedeutung gewonnen und ist zum Teil die einzige Möglichkeit für Musiker*innen zu überleben, was ja nun Pandemie bedingt nur sehr eingeschränkt möglich ist …

Wenn Sie nicht gerade selbst mit der Gitarre auf der Bühne stehen, begeistern Sie als Dozent junge Menschen für Musik. Wie fühlt es sich an, diese Leidenschaft mit anderen zu teilen und Ihre Erfahrungen weiterzugeben?

Peer Frenzke: Es ist großartig mit jungen Menschen seine Leidenschaft beziehungsweise Begeisterung für die Musik zu teilen. Meine Erfahrungen als Musiker im Livebetrieb helfen mir dabei, meinen Schüler*innen oder Student*innen ein paar Abkürzungen, auf dem Weg zu einer gelungenen Liveperformance, aufzuzeigen.

Was wird Ihr nächstes Projekt?

Peer Frenzke: Ich nehme gerade mein eigenes Zeug auf – bzw. in Kürze auch ein Video mit meinem Mentor Ian Cussick und weiteren Gastsängern.

Wie optimistisch blicken Sie auf die kommenden Monate?

Peer Frenzke: Ich bin leider nicht sehr optimistisch, was die Durchführung von Konzerten in geschlossenen Räumen angeht – hoffe aber, dass wir 2022 eine bessere Situation vorfinden …

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